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Wenn einer eine Reise
tut.... Ja, wir Karpfenangler sind ein reisetüchtiges Volk. So
treibt es viele von uns nach Frankreich, Italien oder Spanien. Inzwischen
ist mit Revieren in Marokko und Südafrika auch der afrikanische Kontinent
entdeckt wurden. Wer immer wieder fremde Gewässer für sich neu entdecken
will, sollte sich vorher überlegen, wie richtig gefüttert wird.
Vor der eigenen Haustür
Sicherlich habt auch ihr verschiedene Gewässer,
die ihr hier in Deutschland befischt und ganz sicher müsst ihr in diesen
unterschiedlichen Gewässern auch unterschiedlich füttern. Der verkrautete,
flache See benötigt viel Futter, vor allem Partikel, an dem überfischten,
kleinen Waldsee reichen meist ein paar Boilies zusätzlich zum Hakenköder und
an eurem Flussabschnitt müsst ihr schon richtig abkippen, um Erfolg zu
haben. Leider ist das im Ausland nicht anders, jedes neue Gewässer hat
wieder andere Bedingungen auf die man sich einstellen muss. Im Folgenden,
gebe ich einige Beispiele:
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Markus Wolff mit einem typischen, lang
gestreckten Mantova-Schuppi. |
Die Hakenköder mit dem
befüllten PVA-Bag sind gerichtet. |
Winter am Ebro-Stausee
Im Januar 2005 besuchte ich mit Thorsten Löw den
Embalse de Mequinenza. Dieses Gewässer, dass natürlich eher wegen seines
hervorragenden Wallerbestandes bekannt ist, erfährt inzwischen immer mehr
Zuspruch von Karpfenanglern, die sich im Winter nicht mit zugefrorenen
Gewässern abfinden können. So kamen auch wir nach Spanien, um schöne
Winterkarpfen zu fangen. Am See erklärten uns die Angler vor Ort, dass
ordentlich mit Partikeln gefüttert werden soll und der beste Köder Frolic
sei. Zwar hatten wir ausreichend Futter dabei, doch sind wir beide keine
Freunde von unnötigen Futterkampagnen und so verbrachten wir vorerst sehr
viel Zeit mit ausgiebiger Location um scheinbar markante Standplätze der
Fische zu finden. Hier begannen wir am ersten Tag die Ruten mit Boilies zu
bestücken und gaben zusätzlich lediglich ein PVA-Bag mit einigen
zusätzlichen Boilies dazu. Nur vor dem ersten Platzieren der Ruten
verteilten wir ungefähr zwei Kilo Futter auf den insgesamt vier
Angelstellen. Wir lagen von Beginn an richtig und bekamen viele Bisse. Von
nun an wurde ausschließlich mit Hakenköder und PVA-Bag gefischt. Das
interessante war, dass wir einen Ruhetag einlegten, an welchem wir mit
unseren Frauen einen Ausflug machten. An diesem Tag trafen wir auf unserem
Angelplatz einige Angler die stolz berichteten mehrere Kübel Mais gefüttert
zu haben. Als wir nun am Folgetag das Angeln wieder mit unserer Strategie
begannen, hatte die Mais-Fütterung auf die Bissanzahl keine Auswirkung,
jedoch war das Durchschnittsgewicht anfangs erheblich geringer und erholte
sich erst nach und nach wieder. Wir konnten jedenfalls in wenigen Angeltagen
33 Fische bis 42 Pfund landen und waren mit unserer Futterstrategie sehr
zufrieden.
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Unterschiedlich große
Pellets, Partikel, Melasse und Boilie-Trockenmix ergeben ebenfalls
eine sehr attraktive „Pampe“ |
Ausreichend Futter sollte bei jeder
Tour dabei sein. |
Herbst in Italien
Im September 2006 besuchte ich mit meinem Freund
Markus Wolff den See von Mantova. Wir hatten über dieses Gewässer
glücklicher Weise einige Vorab-Informationen und wussten dass wir harte und
auch große Boilies mitnehmen mussten. Wir hatte für eine Woche
vorsichtshalber 50 Kilo Boilies und 20 Kilo Pellets von der WS Genk dabei.
Natürlich begannen wir auch hier mit einer genauen Location und konnten eine
interessante Kante entdecken, an welcher wir unsere sechs Ruten verteilten.
Alle sechs Ruten wurden vorerst sparsam gefüttert und das war gut so. Wir
bekamen in der ersten Nacht nur einen einzigen Biss und wurden schon
skeptisch, trotzdem behielten wir das sparsame Füttern bei und ab dem
zweiten Abend begann in der Dämmerung das große Beißen und hielt immer die
gesamte Nacht an. In acht Nächten hatten wir über 70 Bisse und konnten über
60 Karpfen landen und obwohl wir auch beim Nachfüttern sparsam blieben,
nahmen wir nicht einen Boilie und auch kein einziges Pellet mit nach Hause.
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Mit 21 Kilo war dies der größte Fisch,
den wir im
Winter 2005 überlisten konnten. |
Das Gewicht von 39 Pfund stimmte uns
auch in Frankreich froh. |
Sommer in Frankreich
Im Sommer 2007 war es wieder
Thorsten Löw, der mich nach Südfrankreich an einen großen Stausee
begleitete. Wieder hatten wir 50 Kilo Boilies und 30 Kilo Pellets dabei. Am
See herrschte Nachtangelverbot und so mussten wir jeden Morgen wieder neu
das Boot mit der gesamten Ausrüstung beladen und abends diese Ausrüstung
auch wieder abbauen. Am ersten Tag kamen wir gerade mal auf vier Stunden
Angeln und wieder gaben wir anfangs nur das befüllte PVA-Bag zum Hakenköder
dazu. Leider hatten wir an diesem ersten Tag nicht einen Biss. Am zweiten
Tag konnten wir auch nur einen 4-Kilo-Schuppi bezwingen. Nun sollte die
Strategie geändert werden. Am Abend des zweiten Tages verteilten wir ca. 6
Kilo Futter auf dem Angelplatz, bevor wir wieder Richtung Zeltplatz
aufbrachen. Tatsächlich fingen wir am nächsten Tag 6 Fische bis 24,5 Pfund.
Der Stein der Weisen schien gefunden. Wieder verteilten wir Abends
ordentlich Futter doch am nächsten Tag konnten wir nur einen einzigen Fisch
landen. Zwar war sein Gewicht von 39 Pfund Grund zu großer Freude, doch
trotzdem schien die Futterstrategie nicht aufgegangen zu sein. Wir
wechselten nun wieder zur üblichen Methode mit PVA-Bag und konnten in den
folgenden Tagen regelmäßig 1-3 Fische landen. An 7 Angeltagen brachten wir
es so immerhin auf 15 Karpfen, was an diesem für uns neuen See absolut
zufrieden stellend war. Wir nahmen aus Frankreich 30 Kilo Boilies und 20
Kilo Pellets wieder mit nach Hause.
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Hier sind die
unterschiedlichen Ködergrößen in Zuckerrübenmelasse zu sehen. |
Am Ebro kann auch im Januar, zumindest
tagsüber,
T-Shirt-Wetter herrschen. |
Fazit
Das waren nur drei unterschiedliche Gewässer und
in jedem Fall war das Füttern ein wenig anders. Es ist immer schwierig sich
auf neue Gew ässer
einzulassen. Man sollte aus diesem Grund auch immer ausreichend Futter dabei
haben, denn wenn man es benötigt und man hat es nicht dabei, ist es zu spät.
Trotzdem ist das aller wichtigste auch an neuen unbekannten Gewässern die
Location, denn Futter nützt nur dort etwas wo auch Fische sind. Das Märchen
von den Karpfen, die zum Futter kommen ist eine Illusion. Dies gelingt nur
da, wo die Karpfen sowieso nach Futter suchen. Erst am Wasser kann man sich
nach und nach von den Gegebenheiten überzeugen und muss auf diese reagieren
und so kommt es vor, dass man einmal eben jedes Gramm Futter benötigt und
ein anderes mal viel Futter wieder mit nach Hause nimmt. Man sollte niemals
das Futter sinnlos verschwenden, nur weil man es eben dabei hat, dies kann
im schlimmsten Fall eine gute Angelstelle zerstören.
Eine gute Idee ist das Aufpeppen von Futter. Ich
zum Beispiel mische nach Möglichkeit immer verschieden große Boilies und
Pellets miteinander und übergieße diese mit Zuckerrübenmelasse. Hierfür gibt
es von einigen Firmen gute Produkte. Wer an Original-Zuckerrübenmelasse aus
der Zuckerproduktion heran kommt, kann auch diese verwenden. Durch die
unterschiedlich großen Köder können sich die Karpfen nicht auf eine Größe
einstellen und werden so auch nicht misstrauisch gegenüber einer bestimmten
Ködergröße, die Melasse bietet einen zusätzlichen Anreiz, sodass man nach
kurzer Zeit ziemlich sicher sein kann, ob man die Fische gefunden hat oder
nicht. Sinnvolles Nachfüttern nach jedem Biss wird die Aktivität auf dem
Angelplatz kontinuierlich hoch halten.
Ganz wichtig ist meiner Meinung nach, nicht mit
einem reinen „Abschütten“ zu beginnen, sondern mit gemäßigten Füttern zu
starten, denn wenn man die Fische dann am Platz hat muss man sie sowieso
durch Nachfüttern dort auch halten. Ich hoffe, ich konnte euch einige
nützliche Tipps zum Füttern an fremden Gewässer geben und wünsche euch viel
Erfolg beim eigenen Erkunden der neuen Ufer.
Ben Boden
Cipro.de
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