Bildmaterial und Text von Reiner Agethen

Wer jetzt Bilder und Fangberichte von Monsterfischen erwartet wird vermutlich entäuscht sein. Das einzige Gewässer in Nord-Thailand in dem z.B. der Giant Siamese Carp vorkommt, ist mein eigener See "Dreamlake". Das Gewässer wurde mit Siamese Carp (und natürlich etlichen anderen Fischarten) vor 6 Jahren besetzt. Es wurden damals 50 Jungfische (ca. 10-15cm, und 30 Karpfen in Stückgewichten von 6-8kg eingesetzt. Die größten Exemplare kratzen jetzt an der 35kg-Marke.
 

Der Siamese Carp (Catlocarpio siamensis) ist die größte bekannte Karpfenart weltweit. Über die erreichbare Maximalgrösse ist die Fachwelt sich nicht ganz einig. Die Einen geben 150kg an, Andere gehen von max.200kg aus. Fänge  über 100kg von Anglern sind nachweislich nur bei dem 110kg Karpfen von Lung Dam verbürgt, der vor etlichen Jahren im Bung Sam Ran gefangen wurde. Es wurde zwar vor ein paar Jahren ein noch größerer Fisch gemeldet, aber die Fangmeldung bzw. die Gewichtsangabe wurde sehr schnell als Fake entlarvt.

Seine ursprüngliche Heimat sind die riesigen Flüsse wie z.B. Der Mekong und der Chaopraya River. Fangmeldungen tauchen fast nie auf, wenn es um natürliche Gewässer geht und beschränken sich fast ausschließlich auf Seen die besetzt worden sind.
 

Ein weiterer großer Vertreter ist der Julian's Golden Price Carp (Probarbus jullieni) der laut Wissenschaftler bis zu 75kg schwer werden soll. Ob er wirklich so groß wird, hmmmh ich hab zumindest noch nie ein Bild gesehen auf dem einer über 20kg zu sehen war. Für mich ist er auf jeden Fall einer der schönsten Vertreter seiner Artfamilie. Ich hab insgesamt 50 Jungfische eingesetzt, von denen ich die größten, nach 6 Jahren, auf ca. 8kg schätze.
 

Der Bighead Carp (Aristichthys nobilis) kommt ursprünglich aus China und erreicht ein max. Gewicht von ca. 40kg. Besetzt hab ich diese Spezies erst vor 2 Jahren, die Fische sind in der Zeit auf ca. 3-4 kg abgewachsen und sind relativ einfach zu fangen.
 

Der Rohu (Labeo Rohita) kommt in nahezu allen Gewässern vor, er kann in den großen Stauseen ein Gewicht von 20kg erreichen, wird aber in Gewichten über 10kg sehr selten gefangen.
 

Small Scale Mud Carp (Cirrhina microlepis) erreicht theorethisch ein max. Gewicht von ca. 15kg, ein Fisch um die 5kg ist aber eigentlich schon ein beachtlicher Fang.
 

Common Carp (Cyprinus Carpio) gibt es auch in den meisten Gewässern. Überraschenderweise werden die thail. Schuppenkarpfen bei weitem nicht so groß wie ihre Kollegen in Europa. Ein Fisch von 8kg kann man schon als Ausnahmefang betrachten.
 

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Cypriniden auf die ich hier nicht näher eingehen möchte da sie anglerisch eine eher unbedeutende Rolle spielen. Von den bereits genannten Arten ist der Julian's Golden Price die Species die am schwierigsten zu fangen ist. Von den 50 eingesetzten Fischen sehen jährlich bei uns mal gerade 3-4 Fische die Abhakmatte.

Bis auf den Schuppenkarpfen sind alle genannten Arten deutlich empfindlicher als unsere europäischen Karpfen. Hältern, lange Fotosessions oder das Wiegen von Fischen verbietet sich da natürlich, und die Empfindlichkeit steigt noch mit zunehmender Größe. Was alle gemeinsam (Ausnahme: Bighead+Common Carp) haben ist eine unglaubliche Kampfkraft und eine rasante Geschwindigkeit im Drill. Zur einleitenden Erklärung, gehe ich mal weit zurück in die Vergangenheit. Vor ca. 15 Jahren habe ich angefangen in Thailand zu fischen, angeregt von den Berichten in div. Fachzeitschriften über den Bung Sam Ran in Bangkok etc. In den ersten Jahren waren es auch eher sporadische Kurzsessions an diesem Catfish-Battlefield in BKK und an ähnlichen Seen (Mekong Catfish+Striped Catfish).
 

Das war zwar Alles ganz lustig, wer kann schon behaupten das er mal eben ne halbe Tonne Fisch an einem Tag aus dem Wasser kurbelt ... aber es wurde dann doch recht schnell eher langweilig weil es einfach viel zu einfach war, und mir die Herausforderung fehlte. Irgendwann wurde dann die Weichen zum eigenen See gelegt, der mit einer sehr großen Artenvielfalt besetzt werden sollte, aber keinerlei Überbesetzt einer einzelnen Spezies aufweist. Nun waren die Fische irgendwann im See und das Desaster nahm seinen Anfang.

Schließlich war ich ja nicht ganz unbedarft, nach knapp 25 Jahren Karpfenangeln, und vor Selbstbewusstsein strotzend wollte ich natürlich meinen Thai-Kumpels die hohe Kunst des Karpfenangelns zeigen.....um nicht zu sehr auszuschweifen, es wurde eine erbärmliche Blamage für mich. Was habe ich nicht für Mühen und Anstrengungen unternommen um säckeweise Boilies und Pellets mitzunehmen. Lange Futteraktionen für absolut nüscht, nada ... nothing. Nicht ein einziger verzweifelter Piep von den Microns.

Zugegebenermaßen ein fürchterlicher Schlag für mein Ego, also erstmal kleine Brötchen backen und neues Lernen war angesagt. Eigentlich war es wieder ein Weg "Back to the Roots" um zu erkennen, wie einfach, wenn auch ungewöhnlich, erfolgreiche Rigs sein können, und das der Weg des Wissen halt abhängig ist von der bevorzugten Diät der Fische in einem anderen Kontinent.

Bewährt hat sich ein simpler Base-Mix aus groben Semmelbröseln, Lum (das ist Mehl, das aus der Haut vom Reiskorn hergestellt wird) und Jamroll (das ist eine Art von süßer Backware), es gibt noch etliche Mehle die man hinzufügen kann, wie z.B. gemahlene Fischpellets oder frische Kokosnußraspel (die machen super Futterwolken auf dem Spot), die Zusätze sind aber nicht unbedingt erforderlich, und machen meiner Erfahrung nach aber Sinn um gelegentlich eine neues Geschmacks,-und Geruchsmuster zu präsentieren.
 

Einige Angler schwören hier auch auf  Flavours, die hier in einer deutlich schwächeren Konzentration angeboten werden, als bei den uns bekannten Flavours. Persönlich habe ich gute Erfahrungen mit Buttercream-Aroma gemacht, aber letztendlich bin ich nicht so der Flavour-Gläubiger, der Mix muss lecker sein, dann passts.

Wichtig bei jedem Mix ist das man nur sehr wenig Wasser nach und nach zum Mix zufügt. Die Mischung muss eher zu trocken als zu feucht sein, sonst hat man einen Klumpen Super-Kleber der sich im Wasser kaum auflöst, mehr dazu wenn es um das Rig geht.

Mit Partikelködern habe ich auch lange experimentiert. War nicht der Brüller, ja ich habe auch auf Mais (egal ob Dose oder gequollener Hartmais) gefangen, aber erst nach langen Futteraktionen über etliche Tage und dann eigentlich auch immer schlechter als z.B. mit Brotködern. Bislang haben sich einzig nur Peanuts als gute Alternativköder angeboten. Damit haben wir in der Regenzeit (das ist zum Fischen eigentlich die beste Zeit) recht gut gefangen, ansonsten nutze ich eher gequollene  Kleinstpartikel um den Spot mit Futterwolken attraktiv zu halten, ähnlich dem Taubenfutter in Europa.

Was ich bislang hier noch nicht getestet habe sind meine geliebten Tigers, aber das steht, nach meinem nächsten Besuch "Back home" ganz oben auf der Einkaufs,-.und Versuchsliste. Zum Tackle, ich fische hier in Chiang Mai zum Einen Karpfenruten zwischen 12-13ft und 3-3.5 lbs. gehe aber immer mehr dazu über  kürzere Ruten 9-10ft zu verwenden, um mehr Druck aufbauen zu können. Standard-Rolle ist der 4500er US-Baitrunner (simple Technik mit langer Lebensdauer) bespult ist das ganze entweder mit 30lb. Mono oder 50lb. Braid in Kombi mit 7-8 Metern Fluo-Schlagschnur,. Hakengröße 4-6 mit 50-80lbs geflochtenem Vorfach.

Allle bisher gemachten Angaben zum Mix und Tackle beziehen sich im übrigen auf unsere Gewässer im Norden, am Bung Sam Ran wird z.B.zum Karpfenangeln Lum, siehe oben, pur eingesetzt um Beifänge von den Catfish etwas zu reduzieren, das Tackle ist dort auch heftiger, 4,5-5lbs Catfish-Rods, 6500 US Baitrunner mit 80lb Braid und 60lb Mono-Schlagschnur.

Was überall gleich ist, ist das Rig. Super simpel und effektiv. Ein unbeschwerter Feeder der das Futter schnell freigibt (keine Futterspiralen), Perle, Wirbel  und superkurzes Vorfach ca. 5-6cm.
 

Als Hakenköder verwenden wir i.d. Regel Brot das wird aber auch von Kleinfischen sehr schnell vom Haken geklaut, oder (und das ist eindeutig effektiver, die werden nicht geklaut) kleine Styroporkugeln auf dem Haken. Jetzt werden sich vermutlich bei einigen hier die Nackenhaare aufstellen....kann ich gut nachvollziehen. Selbstverständlich sind auch hier die Fische nicht an Styropornahrung interessiert, das ganze ist nur ein Hilfsmittel, das im Prinzip wie ein Pop-up Boilie funktioniert.

Hier schliesst sich wieder der Kreis zum eher trockenen Base-Mix den ich empfohlen habe. Wir wollen das der Futterballen am Grund recht schnell aufbricht, danach liegt der völlig unbeschwerte Feeder direkt im Futter und der Haken samt Foam schwebt  knapp darüber. Der Siamese Carp hat eine riesiges Maul und saugt das Grundfutter auf, logischerweise saust der geliftete Haken zuerst ins Maul, und der Tanz beginnt. 

Für die bereits oben genannten kleineren Spezies wie Rohu, Bighead Carp, Common Carp und Small Scale Mud Carp, die bei dieser Fischerei auch immer wieder als Beifang einsteigen können, ist das beschriebene Tackle natürlich völlig "oversized", da kommt erst richtig Freude auf beim Light Tackle, Ruten mit 1,5-1,75lbs, 12-15lbs Schnurtragkraft und einfachen Wagglermontagen, und das macht richtig Spaß und verkürzt die Wartezeiten auf die "Dicken". Das war es erstmal, ich hoffe der Bericht hat euch gefallen.

Liebe Grüße aus Chiang Mai, Reiner

Kleiner Hinweis in eigener Sache:
Unsere Website ist seit Dezember 2008 nur noch in der englischen Version online, Anfragen können natürlich weiterhin in deutsch gemacht werden. ;-)

www.dreamlake-fishing.com