„Lake of Pearls“, so könnte man den kleinen Bruder des großen bekannten Sees „Lac du Temple“ nennen. Er liegt fast unbemerkt angrenzend an diesem riesigen Trinkwasser-Reservoire und wird gespeist durch sein klares Wasser. Sein richtiger Name ist jedoch „Jonchery“. Dies ist ein 12 ha großer See aus dem Angebot von Fishermanholidays. Dieses gut gepflegte Gewässer liegt im Departement Aube in der Nähe des Örtchens Brévonnes. Doch nun zurück zum Titel und meiner einwöchigen Session am Jonchery ...

Der See
Etang Jonchery ist unterteilt in zwei Seen. Der kleinere der beiden hat gerade mal 2 ha und nur eine Angelstelle, wodurch ausreichend Platz für die Angler geboten wird. Dieser kleinere der beiden Seen birgt Karpfen bis 40 Pfund. Die Masse liegt aber zwischen 8 kg bis 15 kg. Der kleine See von Jonchery ist eher etwas für Angeleinsteiger oder Leute, die es in ihrer Woche Angelurlaub gerne einmal einfacher haben wollen. Die Fischdichte ist eher groß und man bekommt auch eher früher als später einen Run.

Der größere der beiden Seen ist mit seinen 12 ha da schon etwas Anderes. Er beherbergt Fische bis ca. 58 Pfund und weist einen guten Bestand an Karpfen über der 30 Pfund Marke auf. Hier gibt es 6 sauber angelegte Angelstellen, die genügend Platz für jeden Angler bieten. Die Stellen sind mit Kies angelegt und so ist es auch bei starken Regengüssen kein Problem dort zu fischen.

Die Session
Nach ca. 5 Stunden Fahrt am Jonchery angekommen, wurden wir sehr freundlich von Paul dem Besitzer empfangen. Nach kurzem „Carptalk“ berichtete er uns was so in den letzten beiden Wochen abgelaufen war und wie die Umstände dort waren. Top Fisch war wohl in der vorherigen   Woche ein 8 kg Karpfen. Das ist zwar besser als nichts, war aber nicht unbedingt unser angestrebtes Ziel. „Na ja, mal schauen was da so kommt...“, dachten wir uns.

Nach dem Aufbauen an unseren Plätzen gingen wir zum verabredeten „Briefing“ mit Paul und den anderen Anglern. Auch hier war nichts von den „aufgezwungenen Regeln“ an einem kommerziellen Gewässer zu bemerken. Diese werden ja ab und an in einschlägigen Foren usw. beschrieben und von den Autoren als sehr einengend wahrgenommen. Hier dienten die „Vorschriften“ einzig und alleine dem Wohle der Fische und dem ungestörten Angeln am See.

Das Gespräch gestaltete sich sehr informativ. Paul erklärte von den „fishing rules“ bis zur Lage der Supermärkte alles ganz genau und man fühlte sich gut aufgehoben. Unsere gebuchten Stellen waren die Nummer 3 und die Nummer 6. Wir entschieden uns allerdings dazu unser Camp auf der 3 aufzubauen und die Ruten für die Stelle 6 mit dem Baitboat abzulegen. Zusammen auf einem Platz zu fischen macht das Handling der Fische beim Keschern, Fotografieren usw. wesentlich einfacher und ist zudem auch etwas geselliger.

Wir fischten jeweils mit drei Ruten und verteilten diese strategisch in den verschiedenen Bereichen der Swims,  um möglichst schnell die Fische zu finden. Dies gelang uns relativ gut. Aktionen an jeder Rute in Form von mehreren aufeinander folgenden Piepsern stellten sich auf fast jeder Rute ein. Jedoch konnten wir keinen der „Aktionäre“ haken. Also lag es möglicherweise  an der Länge der Rigs. Man muss dazu sagen, dass der Jonchery einen eher schlammigen, lehmigen Grund hat. Somit waren „Short-Rigs“ nicht unbedingt die erste Wahl weil alles ziemlich weit im Schlamm versank. Also kamen dann Rigs mit 20 cm - 25 cm Länge zum Einsatz.

Gegen 22:30 Uhr konnte Torsten dann den ersten Karpfen aus dem See fangen. Er war kein Riese, jedoch ein wunderschöner Schuppenkarpfen mit einem weiß/silbernen Schuppenkleid und einem orange eingefärbten Rüssel.

Ich fing diesen Fisch gegen Ende der Woche auch noch einmal jedoch in einem ganz anderen Bereich ... verrückt! Für mich ging diese erste Nacht leider leer aus aber dafür entschädigte mich das Morgenrot um so mehr! Der Tag brach an und die Temperaturen lagen schon bei 18 Grad Celsius. Er versprach wieder durchaus sonnig und warm, gar heiß zu werden. Was für den Angler gut ist, ist jedoch häufig für das Fischen schlecht. Und so erging es uns dann auch. Wir konnten uns zwar schön in der Sonne aalen, jedoch biss-technisch ging gar nichts. Weder der Wind, noch eine Rute gingen ab.

Da ich nicht das erste mal am Jonchery fischte wusste ich, dass die Fische hier sehr wetterempfindlich sind bzw. darauf reagieren. Am besten beißen sie dort bei Dauerregen und Wind. Der Wind machte sich tagsüber jedoch rar. Gegen Nachmittag flaute er etwas auf und drückte gegen das gegenüberliegende Ufer wo wir fischten. Das brachte die Fische scheinbar mit sich, denn gegen 17.00 Uhr bog sich eine meiner Ruten schön durch. Der Drill gestaltete sich kräftig aber ruhig. Keine aggressiven Fluchten sondern stetiges massives Ziehen. Welch eine Wonne!

Als der Karpfen dann im Netz versank und ich einen ersten Blick riskierte fielen mir zwei Dinge sofort auf: es war erstens kein kleiner Fisch und zweitens ein Zeilenkarpfen! Fürs Erste war nun schon einmal Feststimmung angesagt! Eines meiner Wunschziele der Tour war, mal einen der wunderschönen Zeiler aus dem Jonchery zu überlisten und abzulichten.

Bis dato ging mir schon mal der ein oder andere Linearcarp (Zeilkarpfen) ins Netz, jedoch immer in kleineren Größen, was aber ihrer Schönheit keinen Abbruch tat. Deshalb freute ich mich umso mehr über diesen schönen, massigen, langen Fisch mit seiner breiten Linie und seinen langen Barteln.

Das ist überhaupt etwas, was ich für sehr erwähnenswert halte. Am Jonchery fiel mir auch bei dieser Session wieder auf, wie lang die Barteln der Fische dort eigentlich sind. Es sind wirklich wahre Schönheiten die dort herum schwimmen. Und trotz des hohen Angeldrucks sind sie zum größten Teil makellos, was auch und nicht zuletzt an den Regeln liegt die dort herrschen.

Nachdem die Rute wieder im Wasser war wurde noch mal anständig nachgefüttert. Es gingen pro Rute 1 kg Boilies sowie 1 kg Pellets ins Wasser. Die Nacht über hatte ich ein paar Aktionen jedoch nicht den erwünschten nächsten Run.

Das sollte sich am Morgen wieder ändern. Nach einem heftigen Biss konnte ich wieder einen der   Karpfen verhaften. Auch dieser Fisch ist in unseren Gewässern durchaus selten anzutreffen und daher für mich wieder eine willkommene Abwechslung gewesen: ein wahrhaft schöner Lederkarpfen.

Inzwischen tat sich eine Menge auf meinem Futterplatz. Die Fische wurden immer aktiver. Sie rollten, sie sprangen und wühlten am Futterplatz. Je mehr Futter ich einbrachte, desto mehr Action war am Platz. Leider verlor ich kurz nach dem Lederkarpfen noch einen guten Fisch. Dies gehört zwar zum Fischen dazu, jedoch wurde mir in diesem Moment bewusst, wie sehr mich das hier am Jonchery doch ärgerte im Vergleich zu den Aussteigern zu Hause! Jeder Fisch den wir bis dato gefangen hatten war schließlich etwas Besonderes gewesen.

Man wusste nie, was für eine „Perle“ man am Jonchery am Band hatte oder ggf. verloren hatte. Der Morgen ging und tagsüber verlor ich noch einen Fisch. Erst in der kommenden Nacht bzw. am frühen Morgen um ca. 3.30 Uhr lag der nächste Karpfen in den Maschen. Auch hier war wieder einmal etwas Außergewöhnliches an dem Fisch. Er war wunderschön geschuppt mit sehr großen Einzelschuppen und lies die Vorfreude auf die kommenden Bisse wachsen.

Dann folgte wieder einmal die übliche Prozedur ... Baitboat klar machen, Rute raus fahren und ordentlich Futter auf den Platz bringen.

Gegen 9.40Uhr, ich saß gerade beim Frühstück, ging die Rute ab, die ich etwas außerhalb des Futterplatzes abgelegt hatte. Sie war bestückt mit einem Schneemann und einer Laufmontage. Ich fütterte dort auch nicht viel an. Gerade mal 5 Boilies und eine Hand voll Pellets gingen mit dem Blei auf den Grund nieder. Dies ist für mich oftmals eine Art „Jokerrute“ gewesen, die die größeren Fische brachte, welche sich nicht immer mit den aggressiv fressenden Karpfen direkt auf dem Spot tummelten.

Ob diese Theorie nun zu 100% so stimmt, lass ich mal dahin gestellt sein. Jedenfalls war ich sehr happy über den schönen Spiegler! Auch dieser Fisch lag über der 15 kg Marke und war äußerst fit im Drill. So langsam schien eine gewisse Fahrt in die Sache zu kommen. Der Wind stand immer noch günstig für mich, die Karpfen tummelten sich auf dem Futterplatz und vor allem, sie bissen auch!

Um 14.00 Uhr klingelte es wieder. Erneut auf der abseits liegenden Rute. Der Fisch kämpfte ganz anständig und ließ sich auch erst nach 20 Minuten Drill keschern. Ein Bild von einem Karpfen ... wunderschön!

Trotz der Bisse und der Session die gut anlief, sollte man aber nicht das „Auge fürs Wesentliche“ verlieren. Am Jonchery gibt es eine Menge Natur zu beobachten. Dies steht im krassen Gegensatz zu dem Eindruck den man beispielsweise auf einem Abbild des Sees in „Gockel- Earp“ bekommt. Oder den ersten Impressionen die man sammelt, wenn der See das erste mal live vor einem liegt. Ich muss zugeben, dass ich da erst mal den Gedanken hatte, dass er doch recht künstliche Umrisse und Formen hat...

Es gibt dort aber eine Vielzahl von Tieren. Am Jonchery leben Wasserschlangen, Schnecken im und ums Wasser herum, Frösche, Raubvögel, Schwalben-Schwärme und vieles mehr. Die Ufer sind zum Beispiel mit teilweise sehr dichtem Schilf bewachsen und dieses stellt eine schöne Kulisse in der Abendsonne dar. Überhängende Büsche und Bäume tun ihr übriges dazu. Dort jagen Raubfische ihrer Beute nach und beleben die Abendstunden am Wasser.

Doch nun zurück zur Session.

Aufgrund der gut fressenden Fische erhöhte ich die Futtermenge am Hauptfutterplatz nochmals stark. Es kamen wieder ein paar Kilos Pellets sowie Boilies zum Einsatz. Die Futtermenge war keinesfalls übertrieben, da die Fische eine Menge verdaute Boilies und Pellets auf der Abhakmatte ausbrachten. Die Ruten platzierte ich so, dass zwei davon direkt neben dem Spot lagen und eine ganz abseits.

Bei Torsten lief es seit ein paar Tagen leider gar nicht gut. Der Wind hatte bereits vor Tagen wieder gedreht und wehte aus der Bucht der Stelle 3 und 5 heraus auf den offenen See. Die Fische zogen wirklich immer extrem schnell mit dem Windwechsel mit. Das konnte man auch daran sehen, dass sich die Bisse auf Stelle 5 und 2 schlagartig erhöhten. Die Fische sprangen fast nur noch in diesem Areal und es wurde immer schwerer einen ans Band zu bekommen. Mein Futterplatz lief zum Glück noch ganz gut und deshalb bot ich Torsten an, seine Ruten auch in diesem Bereich abzulegen. Gesagt, getan. Nun lagen 6 scharfe „Flinten“ in dem für uns produktivsten Bereich.

Es fing wieder an zu regnen und dies sollte dann wieder ein leichtes Plus für unseren „Wind-beruhigten Bereich“ sein. Es goss wirklich wie aus Kübeln.

Eine meiner beiden Delkims trillerte bereits wieder sein Liedchen. Der Fisch zog wieder stetig und gleichmäßig Schnur ab bis ich ihn kurz vor dem Ufer hatte. Dort gab er noch einmal alles! Er ging mehrfach über die Bremse und der Drill machte richtig Fun! Um so mehr freute ich mich über das Ergebnis! Ein schöner großer Schuppi machte sich im Kescher breit.

Irgendwann in so einer Session kommt der Punkt, an dem man mehr als zufrieden mit seinen Fängen ist. In dieser Session kam er eher früh bei mir! Die Schönheit der Fische in fast unversehrter Form und nicht zuletzt auch ihre satten Größen, machen das Fischen am Jonchery immer wieder zu etwas Besonderem. Es lohnt sich, dort etwas mehr Aufwand zu betreiben wenn die Fische mal nicht so beißen wollen, da man nie weiß, welcher Fisch einem eventuell durch die Maschen gehen könnte...

Ich setzte nun bei allen drei Ruten auf sehr stark gedipte Hakenköder. Dies war in der Vergangenheit immer eine gute Wahl und ich hatte einfach Lust mal was anders zu machen als die Tage zuvor. Das Ergebnis lies nicht lange auf sich warten. Neben unzähligen Attacken von Krebsen - die nervten die Dinger - konnte ein schöner fetter Schuppi nicht widerstehen.

Auch der Regen ließ nun langsam nach und man konnte wieder ins Freie gehen. Dies dachte sich dann auch Pauls Hund und stattete uns mehrere Besuche am Tag ab. Pauls Hunde gehören zum Jonchery wie die Haarmontage zum Karpfen fischen. Ihr werdet es erleben wenn ihr mal dort fischen geht. Bei Torsten lief es jetzt auch wieder besser. Er konnte auch mehrere Bisse verbuchen und kam letztlich auch noch an ein paar der Beauty´s aus dem See. Bei mir tummelten sich die Krebse und vermutlich auch die Störe, da ich mehrere Fehlbisse und Aussteiger bekam.

Des Nachts zur Geisterstunde ging mir dann aber noch ein schöner, lang gestreckter Spiegler ans Band. Auch dieser Fisch kämpfte gut und ging über die Bremse. Ich liebe dieses Geräusch! Torsten schlug kurz danach auch noch mal zu und fing diese schönen Karpfen. So waren wir beide wieder im „Geschäft“ und waren zufrieden. Der Urlaub neigte sich dem Ende zu und wir genossen die Natur, chillten ein wenig herum und bereiteten uns auf die Abreise vor.

Der letzte Morgen war traumhaft und ein schönes Abschiedsgeschenk!

Fazit:
Wieder einmal hat mich der Jonchery verzaubert. Mit seinen schönen Fischen und seiner intakten Natur bedient er genau das, was Karpfenangler so mögen. Er ist für Karpfenangler sehr geeignet die auch ein wenig Komfort suchen und Angelurlaub mit den Annehmlichkeiten von einem normalem Urlaub verbinden möchten.

Für die ganz großen Abenteurer unter euch, die eher riesige Seen bevorzugen und einen geringen Fischbestand mit großen bekannten Einzelfischen ins Visier nehmen wollen, ist dieses kommerzielle Gewässer eher ungeeignet. Auch wenn es nicht fortlaufend einfach war dort an die Fische zu kommen und das Wetter oftmals Monsunregen-artige Auswüchse hatte, war die Woche ein voller Erfolg! Eine Woche Erholung mit gleichzeitigem Karpfen fischen in gepflegter Umgebung ist nun zu Ende.

Der Jonchery hat uns mit Sicherheit nicht das letzte mal gesehen und wir kommen gerne wieder. Nicht zuletzt auch wegen dem freundlichen Service den Paul dort seinen Gästen bietet und den traumhaften „Perlen“ die in diesem See wohnen und die es noch zu fangen gilt.

Vielleicht sieht man sich mal am Jonchery!

Bis dahin „tight lines“! 

Mario Fritsch

Bewertung:
Absolut empfehlenswert!!!

Facts:
Gewässer:
Jonch

Infos zum See: www.fishermanholidays.com

Lage: Direkt am Lac du Temple bei der Ortschaft Mathaux
siehe Karte

Einkäufe: 10 Min. vom See entfernt liegt Brienne-le-Château.
Dort gibt es einen „Intermarché“, sowie viele kleine Läden.

Tanken, Gas: Intermarché in Brienne-le-Château